Finanzierung über FINTECHS

Das Spektrum neuer Finanzierungsformen als Alternative zur klassischen Bankenfinanzierung entwickelt sich in den vergangenen Jahren rasant. Beispielhaft angeführt seien hier Versicherungen, die über Bürgschaften Finanzierungsengpässe lösen, über die Finanzierung von investiven Vorhaben durch den Bürger (Crowdfunding und Crowdinvesting) bis hin zu den wachsenden Angeboten der vielen neuen Fintech-Unternehmen.

Das Zeitalter der Digitalisierung eröffnet neue Wege der Kapitalisierung und der Finanzierung. Doch wie arbeiten diese Fintechs, für wen und für welche Anlässe sind sie geeignet und was kostet dieser neue Finanzierungsweg?

So geht Finanzierung klassisch!

Mittelständische Unternehmer kennen das Prozedere. Sie stellen ihre Finanzierungsanfrage an eine Geschäftsbank. Nach einem kurzen, informativen Erstgespräch, wird der Unternehmer aufgefordert eine Reihe von Unterlagen beizubringen: Businessplan, Jahresabschlüsse, Steuerbescheide, die aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung nebst Summen- und Saldenliste, OP-Listen, Selbstauskunft, Informationen über die aktuelle Auftragslage, wichtige Verträge usw.. Die Zusammenstellung dieser Unterlagen erfordert Arbeit und Zeit. Anschließend erfolgt die Sichtung und Bewertung durch den Firmenkreditbetreuer und die sog. Kreditspezialisten. Wertvolle Zeit vergeht. In der Regel mindestens zwei bis vier Wochen – sofern keine Krankheit und kein Urlaub der Bankvertreter dazwischen kommt. Bis dann die Kreditentscheidung nach Klärung der Besicherung gefällt wird, ist die gleiche Zeit noch einmal vergangen. Vom Beginn der Beantragung bis zur Auszahlung sollte der Unternehmer zwischen acht und zwölf Wochen einplanen.

Die FINTECHS entscheiden in 48 Stunden!

Ganz anders die FINTECHS. Sie entscheiden innerhalb von 48 Stunden. Wie machen die das nur? Der Unternehmer stellt seinen Antrag online und uploaded die letzten beiden Jahresabschlüsse, die aktuelle BWA und die Kontoauszüge seiner Geschäftskonten der vergangenen drei bis sechs Monate. Dazu gesellt sich ggfs. noch der Personalausweis – das war´s. Kein aufwändiger Businessplan, keine Steuerbescheide. Und das beste: Die Kreditentscheidung erhält er innerhalb von 24 bis 28 Stunden. Damit lässt sich leben, auch wenn die Entscheidung negativ ist. Was ein Unternehmer im heutigen sehr schnelllebigen Unternehmeralltag braucht, sind Entscheidungen. Das ist er gewohnt. Die muss er täglich treffen. Doch wie ist das möglich, dass diese neuen Fintech-Unternehmen ihre Entscheidung in so kurzer Zeit mit weniger Informationen treffen können?

Die NEUEN denken und arbeiten anders

Fintechs sind Start-Ups aus dem Finanzbereich. Sie verfolgen einen sehr kundenorientierten Ansatz. Der Kunde soll schnell und verlässlich bedient werden. Dafür haben sie im Zeitalter der Digitalisierung schlanke Prozesse aufgesetzt. Alles neu, keine Altlasten. Dennoch kommen auch sie nicht um das wichtigste Thema herum: die Beurteilung der Bonität des Kredit anfragenden Unternehmers. Dabei beschränken sie die sich bei der Analyse der Historie auf die Jahresabschlüsse. Auch einen in die Zukunft gereichtet Businessplan rufen sie nicht ab. Die wichtigsten Informationen entnehmen sie aus der Analyse des Zahlungsverhaltens der vergangenen drei, sechs bis zu zwölf Monaten. Daraus lassen sich ziemlich verlässliche Aussagen über die Liquiditätssituation des Unternehmens treffen. Nachfragen bei den üblichen Auskunfteien runden das Bild ab. Selbstverständlich gibt es auch bei den FINTECHS K.O.-Kriterien für eine negative Bonitätseinstufung. Dazu zählt u.a. ein negatives Eigenkapital oder erfolgte Rücklastschriften.

Bei welchen Vorhaben FINTECHS eine echte Alternative darstellen können

Schnelle Entscheidungen und Auszahlungen, ohne dingliche Sicherheiten bei einem smarten Bonitätsprüfungsprozess haben ihren Preis. Flexibilität und Risiko lassen sich die FINTECHS vergüten. Dabei gehen diese Unternehmen sehr offen und transparent mit den Konditionen um. Es gibt einen Anbieter, der verlangt für ein Darlehen bis zu 100.000 Euro 2% monatliche Verzinsung auf den jeweils aktuell ausstehenden Kreditbetrag. Die Laufzeit ist mit 12 Monaten relativ kurzfristig angelegt. Hier kommen aber auch sehr junge Unternehmen zum Zuge. Ganz anders agiert ein weiterer Anbieter, der bereits etablierten Unternehmen Darlehen bis zu 5 Mio. Euro mit Laufzeiten bis zu 5 Jahren bereitstellt. Je nach Einstufung der Bonität wird ein Zinssatz von 5 bis 10 % p.a. aufgerufen.

GREYCON hat bereits in mehreren Fällen für seine Mandanten diese Form der Finanzierung geprüft. Wir können sagen, dass wir immer dann diese Form der Kapitalbeschaffung empfohlen haben, wenn kurzfristiges Geld für kurzfristig verlaufende Projektaufträge zu finanzieren waren. Dann macht es Sinn einen höheren Zins zu leisten; insbesondere dann, wenn die Sicherheitsleistungen bereits bei der laufenden Finanzierung aufgebraucht worden sind.

Unser Fazit

Wie sich letztendlich diese neuen Finanzierungsformen am Markt etablieren werden, bleibt abzuwarten. Äusserst positiv beurteilen wir die kurzen und schnellen Entscheidungswege, die sehr gute Kommunikation mit dem Betreuer, den überschaubaren Aufwand der einzureichenden Unterlagen und die Beschränkung der Besicherung auf die persönliche Bürgschaft des Antragstellers. Damit alles seine Ordnung hat, achtet auch die BaFin auf das, was sich da tut und entwickelt. GREYCON wird auch in Zukunft die FINTECHS im Rahmen der Finanzierungsberatung in Betracht ziehen – wo es denn passt!